„Danke Herr Schlecker“

Liebe SHK-Branche,

Geberit hat 2018 eine operative Cashflow-Marge von rund 28 Prozent erwirtschaftet. 28 Prozentpunkten gebührt immer noch ein dickes Wow! Mindestens 20 eher 22 Prozent mehr als der Fachgroßhandel je zu träumen wagen würde. Und das bei einem Umsatzvolumen der Eidgenossen von 3 Mrd. CHF, also rund 2,6 Mrd. Euro.

Sie dürfen selber nachrechnen, was am Ende des Tages in Jona an flüssigem Geld hängen bleibt. Und trotzdem zeigt sich die Finanzwelt skeptisch gegenüber Geberit. Die Aktie im Keller mit leichten Erholungstendenzen. Preistransparenz, Internethandel, Unruhen auf wichtigen internationalen Märkten, dazu gesteigerte Personal- und Rohstoffkosten und ein Flaschenhals in Deutschland namens Installateur. Faktoren, mit denen nicht nur der Branchenprimus zu kämpfen hat.

Der Druck in der SHK-Branche steigt spürbar. Allgemein, nicht nur bei Geberit. Die Neigung zu alternativen Fakten ebenfalls erhöht. Nehmen wir als Beispiel Grohe. Wie aus dem Nichts nimmt der Präsident und CEO der Muttergesellschaft Lixil, Kinya Seto, seinen Hut. Gewinneinbruch im Konzern. Das war vor drei Monaten. Jetzt stellt das Management plötzlich den gesamten Prozess des Führungswechsels noch einmal in Frage.

Die deutsche Lixil-Tochter auf der anderen Seite reduzierte, ohne großes Aufsehen zu erregen, die deutsche Geschäftsführung im Laufe des vergangenen Jahres. Bernhard Braems galt als eine Art Ziehsohn des einstigen Grohe-CEOs David Haines. Braems startete 2012 seine Karriere beim Düsseldorfer Badausstatter als Regionalverkaufsleiter. In der Folge stieg er rasch auf, erhielt die Gesamtverantwortung für den Vertrieb von Grohe Deutschland und übernahm 2016 die Geschäftsführung zusammen mit Andrea Bußmann.

Seit schätzungsweise einem halben Jahr bereits übt Braems jedoch einen anderen Job in der Organisation aus. In seinem Linkedin-Profil weist er sich nach wie vor als Geschäftsführer aus. Bußmann aber bescheinigt, dass ihr Kollege längst die Leitung des Bereiches Service international übernommen habe. Alles einvernehmlich natürlich, so klingt es jedenfalls. Braems Positionswechsel reine Ansichtssache. Bloß keine Unruhe, der Druck groß genug. Auch bei Grohe. Der Kerngewinn der Lixil-Sparte LWT, zu der Grohe gehört, im vergangenen Jahr gefallen um 13,3 Billion JPY, knapp 106 Mio. Euro.

Und dann noch so etwas! Grohe verwickelt in einen internationalen Geldwäscheskandal? Den Geldwäscheskandal überhaupt, wenn man den öffentlich rechtlichen Medien trauen darf, und das darf man wahrscheinlich. Dreckiges Geld aus schmutzigen, teils kriminellen Deals, sauber gewaschen und zurück in die Wirtschaft transformiert. Der Zahlungsverkehr werde regelmäßig sorgfältig und rechtlich überprüft, man trage keine Schuld, heißt es bei Grohe. Beim Namensvetter Hansgrohe geht man noch einen Schritt weiter und behauptet, selbst Opfer zu sein.

Wenn Zahlungen von Drittfirmen aus Steueroasen kommen, so wie es in der Berichterstattung der öffentlich rechtlichen Anstalten dargestellt wurde, sollte man das vielleicht doch wenigstens mal hinterfragen, entgegnete SHKTacheles einem Sprecher von Hansgrohe. Kein weiterer Kommentar hierzu aus dem Schwarzwald. Die Wahrheit alternativ wählbar.

Der Trump-Style macht offenbar Schule. Cordes & Graefe, noch so ein schwieriger Patient. Die Bremer stellen in zwei Wochen in Berlin ihre neue Nobel-Edel-Linie für ein Gesamtbad vor. Vogue lautet der Name der Designserie. Vogue ist die zweite große Produkt-Präsentation der Handelsserie Vigour.

Haute Couture im Badezimmer. Modellformen, die an Wasser, an Natur erinnern, heißt es. Mit weichen Kanten, orientiert an der Mode- und Schmuckbranche. Der Marktführer unter den SHK-Fachgroßhändlern tritt abermals lautstark als Produzent in Erscheinung, als größter Wettbewerber seiner eigenen Zulieferer. Sollte sich das Türchen zum Verbraucher über Elements noch weiter öffnen, wer weiß, mit wem die GC-Gruppe zukünftig noch alles in Konkurrenz tritt.

Das Management von Cordes & Graefe will am 19. Februar jedenfalls nur ausgewählte, kontrollierbare Medien zulassen. Jene, die in der Vergangenheit über Vigour berichtet hätten, heißt der offizielle Wortlaut. Diese GC-Selektion kennen wir bereits aus Vorveranstaltungen und ist so albern, wie es alberner kaum sein könnte. Die Nordlichter sind wirklich manchmal ein verschreckter Haufen. Statt Haute Couture in der Bundeshauptstadt bietet man den nicht vorgesehenen Medienvertretern ein Gespräch mit dem C&G-Chef Thomas Werner an anlässlich der bald stattfindenden Neuheitenshow in Bremen. Wovor fürchtet sich Cordes & Graefe eigentlich so panisch? Entweder richtig Produzent oder besser gar nicht. Fakt ist, am 19. Februar wird es offensichtlich erst einmal nur eine Wahrheit geben, eine halbgare, die der Bremer.

Stillschweigen, wie bei Grohe. Selbst in die Opferrolle schlüpfen made by Hansgrohe oder gezielt ausgrenzen, wie es Cordes & Graefe handhabt. Es gibt viele Methoden an der Wahrheit zu drehen, den Eindruck zu verändern. Mit Herr Relotius sprach mich jüngst ein Inhaber einer nicht gerade kleinen Haustechnik-Großhandlung an. Relotius, Autor manch einer erfundenen Spiegel-Story. Noch während der Recherche den Rechercheur mit einer zweifelhaften Person in Verbindung setzen, als Witz verpackt und so bereits im Vorhinein an einer Wahrheit schrauben. Das haben auch andere Branchenmanager zuvor ähnlich versucht. Trotzdem, Chapeau dem besagten Großhändler, sehr geschickt. Ich erwiderte ihm die Relotius-Ansprache mit den Worten: „Danke Herr Schlecker.“ Spaß muss schließlich sein.

Meint Ihr

Knut Maria Siebrasse